Freiwillige Feuerwehr Waldkappel e.V.

Auf Grund der traurigen Tatsache, daß durch den sogenannten Kroatenbrand im Jahr 1637 und dem "großen Brand" am 25.Oktober 1854 fast sämtliche Gebäude von Waldkappel den Flammen zum Opfer fielen, fehlt es bedauerlicher Weise an alten Akten, die es ermöglichen könnten, eine umfangreiche Beschreibung über die Vorgeschichte bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr zu geben. Auch später sind wiederum bei einem Brand und durch Wirren der Kriegsjahre die Akten der Feuerwehr selbst verloren gegangen.

Wir müssen und daher darauf beschränken in kurzen Umrissen das durch Hörensagen und die Angaben aus noch wenigen vorhandenen Unterlagen, wie auch alten Festschriften wiederzugeben.

 

Dem Nächsten, dem Mitbürger in Not zu helfen, ihn in der Gefahr zu schützen und Böses von ihm abzuwenden. Das mögen die Hauptgründe der 84 Waldkappler Männer gewesen sein, die am 24.Januar 1876 die Freiwillige Feuerwehr Waldkappel gründeten.

Mit den einfachsten Mitteln wurde in dieser Zeit eine Vielzahl von Bränden bekämpft. Zur ersten technischen Einrichtung, bestehend aus einer Handdruckspritze kam etwa um das Jahr 1900 eine freistehende "Hüthersche Leiter" hinzu. Diese wurde von dem damaligen Metropolitan, Wepler, gestiftet. Anerkennung und Dankbarkeit wurde hiermit von seiten der Bevölkerung an die Freiwillige Feuerwehr zum Ausdruck gebracht.

Spritze 1858

Im Jahr 1908 wurde der Brandschutz in Waldkappel durch den Bau einer Hochdruckwasserleitung erheblich verbessert. Die moderne Wasserleitung verbannte für immer die "Wasserträger" aus dem bis dahin alltäglichen Bild des Städtchens Waldkappel. Doch das Gefühl der Sicherheit durch den hierdurch verbesserten Brandschutz ließ die Gedanken an die "gute alte Zeit" bald verblassen.

Durch Spenden aus der Bürgerschaft und Zuschüsse vom Kreis und der Brandversicherungsanstalt konnte 1913 eine "Magirus-Drehleiter" zur weiteren Verbesserung der Ausrüstung angeschafft werden.

 Drehleiter

Das "gute Stück" hat sich bis heute erhalten und leistete bei einem Brandeinsatz im Jahre 1975 den letzten Dienst im Einsatzfall. Wenn sie auch den Sicherheitsanforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht werden kann, so ist sie dank guter Pflege  noch voll funktionsfähig.

Am 5., 6. und 7. Juni 1926 wurde das 50 jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Waldkappel mit einem 3 tägigen Fest in einem würdigem Rahmen gefeiert.

Ein Jahr später im Jahr 1927 wurde innerhalb unserer Wehr die "Feuerwehrkapelle" gegründet. Die Kapelle hat seit ihrer Gründung viele frohe Stunden bereitet und erheblich zur Pflege der in der Feuerwehr so wichtigen Kameradschaft beigetragen.

Kappelle 1928

Ein weiteres großes Ereignis brachte das Jahr 1934 durch die Fertigstellung eines Feuerwehrgerätehauses in der Braugasse. Die Jahre vorher waren die Geräte in einem kleinen Spritzenhaus untergebracht.

Feuerwehr 1938

Die erste Motorspritze sowie das erste Feuerwehrfahrzeug (ein umgebautes Bäckerauto) wurden ebenfalls in diesem Jahr angeschafft. Der Trockenturm des Gerätehauses wurde in 1942 durch einen orkanartigen Sturm zerstört und konnte erst1951 in seiner heutigen Form wieder errichtet werden.

Besondere Schwierigkeiten und Jahre der härtesten Bewährung bedeuteten nicht nur für die gesamte Einwohnerschaft sondern auch für die Gemeinschaft der Freiwilligen Feuerwehr die Kriegs- und Nachkriegszeit. Von 1939 bis 1945 und bis hinein in die 50er Jahre.

1945 schien es so, als würde Waldkappel wie im ersten Weltkrieg von äußeren Schäden verschont bleiben, doch - am Ostersonnabend, den 31.März 1945 und am Ostermontag, dem 2.April 1945, beim Einmarsch der amerikanischen Truppen, schlug das Schicksal auch in Waldkappel unbarmherzig zu. Eine Explosionskatastrophe ließ mit einem Schlag den Bahnhof verschwinden und zwei Tage später zerstörte eine Brandkatastrophe einen großen Teil des geräumten Städtchens.

Die, durch die Explosion des Munitionszuges abgedeckten Dächer boten dem Feuer und Funkenregen reichlich Nahrung. Zur Bekämpfung der Brände fehlte es an ausreichendem Löschwasser und Löschkräften. Die noch am Ort vorhandenen Männer der Feuerwehr konnten hier nur noch für das Notwendigste rettend eingreifen.

Zerstoerung 2. Weltkrieg

138 Gebäude darunter 47 Wohnhäuser, 35 Scheunen, 39 Ställe, 17 Nebengebäude und eine Menge Vieh waren Opfer dieser Schreckensnacht. Unter diesem vernichtenden Schlag hat wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt sehr gelitten.

Die in dieser Zeit abhanden gekommenen Feuerwehrgeräte konnten nur noch zum Teil wiederbeschafft werden. Anfang der 50er Jahre konnte jedoch eine weitere Motorspritze hinzugekauft werden.

Am 14. Und 15.Juli 1951 feierte die Wehr angemessen ihr 75 jähriges Stiftungsfest. Dieses Fest sollte eine bleibende Erinnerung für die kommenden Waldkappler Geschlechter sein ! Trotz schwerer Nachkriegs und Notzeit, haben Bürgersinn und  Gemeinschaftsarbeiten solch ein schönes Fest zu Stande gebracht. Das Fest stand unter dem Motto "Einer für Alle - Alle für Einen" "Gott zur Ehr dem nächsten zur Wehr". Der Festkomers stand im Zeichen von Ehrungen. Bezirksbrandmeister Christian März wurde nach 45 Jahren Einsatzdienst zum Ehrenkommandanten ernannt. Befördert wurden an diesem Abend Ortsbrandmeister Karl Schmerfeld zum Oberbrandmeister, stellv. Ortsbrandmeister Löschmeister Heinrich Rehbein zum Brandmeister und Löschmeister Eduard Degenhardt zum Oberlöschmeister.

75 Jahre Stiftungsfest

Ein besonderes Ereignis, im Jahr 1956, die Übergabe eines für diese Zeit modernen Feuerlöschfahrzeuges (Opel-Blitz, LF 8).

Einsatzabteilung 1957 vor Opel Blitz

Dieses Fahrzeug hat bis zum 21.12.1987 fast 31 Jahre seinen  Dienst in unserer Feuerwehr versehen. Im Jahr 2012 wurde das Fahrzeug liebevoll und mit viel organisatorischem und handwerklichem Geschick durch die Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung restauriert und in den Original Zustand zurückgesetzt.
Im Jahre 1957 gab es sogar Überlegungen das Feuerwehrhaus in der Braugasse aufzustocken. Offensichtlich wurden diese Pläne aus finanziellen Gründen letztendlich nicht umgesetzt.


Am 28.11.1970 wurde unsere Jugendfeuerwehr mit 26 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren gegründet. Dieser Schritt hat sich als besonders nützlich erwiesen. Die Nachwuchssorgen konnten durch unsere Jugendfeuerwehr erfreulich gelöst werden.

Feuerwehrhaus Umbauplan

Das Jahr 1974 sollte mit eines der wichtigsten Ereignisse  in der 125 jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Waldkappel bringen. Ein lang gehegter Wunsch, der Bau eines neuen Gerätehauses, ging in Erfüllung. Dank des bewundernswerten Einsatzes an Eigenleistung trugen alle Feuerwehrkameraden allen voran Wehrführer Karl März und unter fachmännischer Führung von Hans Möller, zur Fertigstellung der ersten Stützpunktfeuerwache im damaligen Kreis Eschwege bei.

Die Inbetriebnahme der Feuerwache erfolgte am 14.9.1974 und bedeutete einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg der Verbesserung des Brandschutzes in der Großgemeinde Waldkappel.

Feuerwache 1974

Die technische Ausrüstung der Stützpunktfeuerwehr erfolgte in den darauffolgenden Jahren Stück für Stück. Angefangen hat es im April 1975 mit der zur Verfügungstellung eines Rüstwagens (RW1) durch das Land Hessen. Jahre später wurde der Rüstwagen noch durch eine Rettungsschere ergänzt.

RW1

Vom 17.Juni 1976 bis zum 21.Juni 1976 wurde an 5 Tagen das 100 jährige  Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Waldkappel in einem würdigen Rahmen gefeiert. Höhepunkt dieses Festes war zweifellos die Übergabe einer Standarte durch Bürgermeister Heinz Hut und die Übergabe eines Löschguppenfahrzeuges (LF 16) durch den damaligen Justizminister Dr. Herbert Günther.

LF16

Es war das erste Wasserführende Fahrzeug der Stadt Waldkappel und in Verbindung mit dem RW 1 wurde die Schlagkraft der Wehr erheblich verbessert. Beide Fahrzeuge wurden im Jahre 2006 im Zuge der Neubeschaffung des HLF 20/16 außer Betrieb gestellt. Im selben Jahr wurde uns durch das Land Hessen noch ein Schlauchwagen (SW 1000) zur Verfügung gestellt. Er vervollständigte die Grundausstattung einer Stützpunktwehr und ist immer noch im Einsatz und wird es wohl dank sehr guter Pflege und nicht so harter Einsätze noch viele Jahre bleiben. Denn Ersatz hierfür gibt es keinen mehr.

In den Jahren bis Mitte der 90er haben 2 VW-Busse die der Verein angeschafft und aufgebaut hat ihren Dienst als Einsatzleitwagen und Mannschaftstransporter versehen.

Im Dezember 1987 wurde der alte Opel-Blitz nach 31 Jahren Dienst gegen ein neues LF8 ausgetauscht.

Wegen der einmaligen geographischen Lage ist unserer Stützpunkt ein Standort für die Maschinistenausbildung  im Werra-Meißner-Kreis.
Seit 1992 werden hier Maschinisten des gesamten Kreisgebietes ausgebildet.

Der erste neue Einsatzleitwagen (ELW1) wurde Anfang 1997 übergeben und in Betrieb genommen.

Am 19.10.1999 feierten wir etwas verspätet der 25. Jahrestag der Stützpunktfeuerwache. In diesen 25 Jahren sind aus Vereinsmitteln der Freiwilligen Feuerwehr Waldkappel 21000 DM für Material zum Umbau und Erhalt des Gebäudes investiert worden. Im gleichen Zeitraum wurden weitere 25000 DM aus Vereinsmitteln für die Anschaffung von Bekleidung und Ausrüstungsgegenständen ausgegeben. Ich denke alle 3 Beteiligten die Gemeinde, der Verein, und die Mannschaft haben dafür gesorgt, das die Einrichtung nach 25 Jahren heute noch in so gutem Zustand ist.

Ende 1999 wurde uns ein neues Fahrzeug vom Katastrophenschutz zu Verfügung gestellt. Es handelt sich um ein Dekon-P LKW. Er wird zur Personendekontermination bei Gefahrgutunfällen kreisweit eingesetzt.

Am 05.04.2006 wurden die Fahrzeuge RW1 und LF16 durch ein HLF20/16 ersetzt welches bereits nur knapp acht Stunden nach seiner Indienststellung die erste Feuerprobe mit Erfolg bestand.        

HLF 20/16 links

Zur Jahreshauptversammlung im Jahr 2009 wurde die bisherige Struktur unserer Wehr den sich im Laufe der Jahre geänderten Bedingungen angepasst. Die bis zu diesem Tage bestehenden zwei Züge mit fester Personeneinteilung wurden aufgelöst. Drei Gruppenfüherer werden seit dem von der aktiven Mannschaft gewählt, übernehmen feste Themenfelder und Fachgebiete und unterstützen den Wehrführer und dessen Stellvertreter bei ihrer Arbeit. Anfängliche Findungsprobleme wichen schnell und die neue Flexibiltität und Einsetzbarkeit zahlten sich schnell aus.

Am 01.08.2010, pünktlich zum 40jährigen Bestehen der Jugenfeuerwehr Waldkappel, wurde ein weiterer Grundstein zur Stärkung des Vereins gelegt: Die Kindergruppe "Flammenhopser Waldkappel" wurde ins Leben gerufen. Bereits ein Jahr später konnten hier die ersten Übertritte aus der Kinderfeuerwehr in die Jugendfeuerwehr verzeichnet werden.

Am 27. August 2012 wurden alle Waldkappeler Wehren vor eine, seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommene Aufgabe gestellt. In den frühen Nachmittagsstunden löste die Leitstelle Werra-Meissner Vollalarm für den Bereich Waldkappel mit dem Einsatzstichwort F3, brennt landwirtschaftliches Anwesen, aus. Im Stadtteil Schemmern brannte mitten im Ortskern ein landwirtschaftliches Anwesen auf einer Grundfläche von ca. 25x50m in voller Ausdehnung. Durch einen massiven Einsatz von Strahlrohren konnten die ca. 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Waldkappel, Eschwege und Sontra unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Dieter Sandrock ein Übergreifen der Flammen auf das benachbarte Gemeindehaus und die angrenzenden Wohn- und Wirtschaftgebäude verhindern. Enormen Aufwand unter Atemschutz und mit schwerem Baugerät erforderte es, die ca. 110 schwelende Hochdruckrundballen aus dem Strohlager der Scheune zu entfernen und außerhalb des Ortes auf ein freies Feld zu transportieren. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis zum  folgen Nachmittag an. Dieses Ereignis schweißte die zu diesem Zeitpunkt 14 Ortsteilwehren im Stadtgebiet eng aneinander.  

Im Zuge des letzten Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, dem Bau der Bundesautobahn A 44 von Kassel nach Eisenach, sieht sich Waldkappeler Wehr einer neuen Aufgabe gegenüber; Autobahnfeuerwehr auf einem Abschnitt von ca. 16 Km mit Brücken und Tunnelanlagen.

Die Übernahme dieser Aufgabe startet mit dem ersten Spatenstich im Streckenabschnitt, dem Bau der Rauschbergbrücke.

 Im Rahmen der Neuausrichtung auf diese Aufgabe entscheiden sich die Verantwortlichen der Feuerwehr die in 1999 übernommene Aufgabe der Personendekontermination innerhalb des Gefahrgutkonzeptes des Kreises und das damit in Waldkappel stationiert Fahrzeug Dekon-P abzugeben. Zum einen um Platz für ein neues Tanklöschfahrzeug zu schaffen und zum anderen um die personelle Belastung im Falle eines Gefahrgutunfalles auf der Autobahn zu reduzieren. Die Lücke die der Dekon-P hinterläßt, der auch als Gerätewagen Logistik für die Stadt Waldkappel genutzt wurde, konnte nahtlos geschlossen werden. Ein neues Fahrzeug des Katastrophenschutzes des Landes Hessen, der Gerätewagen Hochwasserschutz, wurde am 05.12.2013 in Dienst gestellt.

                                            

Die Feuerwehr Waldkappel beweist hier wieder einmal ihre Flexibilität: Von Spezialisten für Dekontermination zur Unterstützungseinheit bei Hochwasserlagen.

Am 21. und 22. Mai 2016 feiert die Feuerwehr Waldkappel  ihr 140jähriges bestehen mit dem 42. Stadtfeuerwehrtag. Höhepunkt dieses Festes wird die offizielle Übergabe des neuen StLF 20/25 als Ersatzbeschaffung für das 1987 in Dienst gestellt LF 8 sein. Mit diesem Fahrzeug kommen Stadt und Feuerwehr Waldkappel der Pflicht nach die Gefahrenabwehr auf der BAB 44 im Abschnitt zwischen Wehretal und Hessisch Lichtenau sicher zu stellen.

 

Bemerkenswert ist, dass sich der Wille zur Selbsthilfe und die Bereitschaft zum freiwilligen Dienst in unserer Wehr, voran der Wahlspruch "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr" und "Einer für alle, alle für einen" bis in die heutige Zeit in erfreulich großem Maß erhalten hat.

Möge unserer Feuerwehr weiterhin der Geist und die gute Entwicklung der vergangenen Jahre erhalten bleiben. Wir hoffen in absehbarer Zeit mit Unterstützung des Landes, des Kreises und der Stadt einen feuerwehrtechnischen Ausrüstungsstand zu erhalten, der es ermöglicht, den Aufgaben die uns die Autobahn auferlegen wird, zu stellen, um den Schutz unserer Mitbürger in Not und Gefahr nach den neuesten Erkenntnissen gewährleisten zu können.

Verfasser: Dieter Sandrock, aktualisiert von Holger Konhäusner und Sebastian Pfeil

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Übungsabend Einsatzabteilung

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